Die Uferpromenade von Playa Blanca – Abschnitt 1: Die wilde Küste am Montaña Roja bis zum Geisterhotel
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- 12. Apr.
- 6 Min. Lesezeit
Es gibt Orte auf Lanzarote, die nicht auf den ersten Blick spektakulär wirken – und genau deshalb besonders eindrucksvoll sind.
Die Uferpromenade von Playa Blanca gehört zu den beeindruckendsten Spazierwegen der Insel. Sie zieht sich entlang der gesamten Südküste – von den rauen, ursprünglichen Abschnitten im Westen bis hin zu den berühmten Papagayo Strände im Osten, die unter Naturschutz stehen und zu den schönsten Stränden Lanzarotes zählen.
Aufgrund ihrer Länge lässt sich dieser Küstenweg sinnvoll in mehrere Abschnitte unterteilen. Dieser erste Teil beginnt an einem Ort, der streng genommen noch gar nicht zur klassischen Promenade gehört – und gerade deshalb besonders reizvoll ist.
Startpunkt am Montaña Roja
Der Ausgangspunkt liegt südlich des Montaña Roja. Wenn du mit dem Auto unterwegs bist, empfiehlt es sich, die Avenida Faro Pechiguera entlangzufahren bis zum südwestlichsten Kreisverkehr.
An diesem Abschnitt gibt es viele Straßen, die wirken, als würden sie ins Nichts führen. Richtung Meer ziehen sich mehrere unfertige Straßen zur Küste hin. Sie wirken fast wie Relikte aus einer anderen Zeit: Bordsteinkanten sind gesetzt, Mittelstreifen angelegt – doch die Fahrbahnen selbst fehlen. Was bleibt, ist eine holprige Piste.
Wir nehmen die westlichste dieser Straßen, die von einem gut ausgebauten Kreisel abbiegt und direkt zum Meer hinführt.
Für viele, die Lanzarote heute kennen – mit seinen hervorragend ausgebauten Straßen – wirkt dieser Abschnitt fast fremd. Für mich persönlich ist er eine kleine Zeitreise. So oder so ähnlich fühlten sich viele Straßen der Insel noch vor etwa 25 Jahren an. Holprig, mit Kies bzw. Picón aufgeschüttet und mit herausstehenden Steinen und tiefen Furchen durchzogen.

Entlang der wilden Küste
Am Ende dieses Weges kannst du dein Auto abstellen. Hier gibt es einen natürlichen Parkplatz am Ende der holprigen Straße. Linkerhand steht ein einsames, bewohntes und gepflegtes Doppelhaus, das vermutlich einmal als Musterhaus für eine geplante Doppelhaussiedlung direkt am Meer dienen sollte. Doch während der Immobilienkrise in den 2000ern wurden sehr viele geplante Bauprojekte in Playa Blanca gestoppt. Manche standen jahrelang als verlassene Bauruinen leer und wurden zum Teil in den 2020ern fertiggestellt, andere sind bis heute nicht realisiert oder fertiggestellt worden.
Unterhalb des Naturparkplatzes verläuft ein schmaler Pfad entlang der Küste in beide Richtungen. Unser heutiger Weg führt über eine kleine Fußgängerbrücke, die einen Regenablaufspalt überspannt, nach rechts in Richtung Westen, entlang der wilden Lavaküste, die geprägt ist von schwarzen Lavafelsen, natürlichen Wasserbecken und dem offenen Atlantik.

Dieser natürliche Weg an der Küste entlang ist beliebt bei Spaziergängern und Radfahrern, Hundebesitzern, die mit ihren Hunden hier spazieren gehen und Anglern, die die Küste nutzen.

Nach einiger Zeit passierst du ein besonderes Haus auf der rechten Seite. Es handelt sich um ein besetztes Gebäude, das seit vielen Jahren bewohnt wird. Mit Solarpanels, Wassertanks und viel Eigeninitiative haben sich die Bewohner hier eine weitgehend autarke Lebensweise aufgebaut.
Das Gebäude war ursprünglich eine Bauruine und wurde Schritt für Schritt ausgebaut und instand gesetzt. Es ist ein sichtbares Beispiel dafür, wie aus einem ungenutzten Rohbau wieder ein bewohnbarer Ort entstehen kann.
Solche Formen der Nutzung sind auf Lanzarote kein Einzelfall. Die angespannte Wohnsituation auf der Insel führt dazu, dass Menschen alternative Wege suchen, um Wohnraum zu schaffen.
Dabei sollte man jedoch differenzieren:Es gibt Fälle, in denen leerstehende und ungenutzte Gebäude – oft über Jahre hinweg – von Menschen bewohnbar gemacht werden. Gleichzeitig gibt es auch Fälle, in denen bewohnte oder zur Nutzung vorgesehene Immobilien besetzt werden, etwa während Verkaufsphasen oder bei längerer Abwesenheit der Eigentümer.
Auch wenn es rechtlich keinen klaren Unterschied gibt, wird diese Unterscheidung vor Ort durchaus unterschiedlich wahrgenommen. Dieses Haus gehört eher zur ersten Kategorie – und zeigt, wie viel Aufwand und Engagement in manchen dieser Projekte steckt.
Ein Stück weiter entdeckst du auf der linken Seite eine kleine, aus Lavastein errichtete Gedenkstätte. Ein Kreuz, geschmückt mit Plastikblumen, erinnert an einen Menschen, der hier am Meer verunglückt ist.

Naturgewalten und Sicherheit
Hier zeigt sich der Atlantik von seiner ursprünglichen Seite.
Immer wieder führen kleine Pfade oder improvisierte „Treppen“ hinunter zu den Naturbecken. Aber: Vorsicht ist hier entscheidend.

Der Atlantik zeigt an dieser Küste regelmäßig seine ganze Kraft.Bei stärkerem Seegang schlagen die Wellen mit großer Wucht gegen die Felsen – ein beeindruckendes, aber auch gefährliches Naturschauspiel. Je nach Wetterlage können hier auch deutlich höhere Wellen auftreten.

Die Mauer und ein neuer Blickwinkel
Nach einiger Zeit erreichst du eine Mauer, die im rechten Winkel zur Küste verläuft.
Folgt man ihr nach Süden, gelangt man direkt ans Meer. Die Küste ist hier flacher und öffnet den Blick weit über den Atlantik. Gleichzeitig bietet sich ein schöner Blick zurück auf Playa Blanca.
Geht man ein Stück zurück nach Norden entlang der Mauer, trifft man wieder auf den ursprünglichen Küstenpfad. Von hier aus führt der Weg erneut Richtung Westen und am Horizont erscheint bereits das nächste Ziel.


Das Geisterhotel – Mythos, Geschichte und Gegenwart
Schon von weitem sind die Umrisse der großen Ruine sichtbar – das sogenannte Geisterhotel. Direkt davor liegen einige der beeindruckendsten Naturbecken dieser Küste, die viele Besucher anziehen.
Bei ruhigem Meer wirken die Naturbecken fast idyllisch und laden dazu ein, näher heranzugehen. Doch dieser Eindruck kann täuschen. Wichtig zu wissen: Es handelt sich hierbei nicht um offizielle Badestellen. Baden erfolgt auf eigene Gefahr und es gilt zu beachten, dass Strömungen stark und unberechenbar sein können.

Das Gebäude stammt vermutlich aus den frühen 1970er Jahren und wurde nie fertiggestellt. Warum genau der Bau gestoppt wurde, ist bis heute nicht eindeutig geklärt.
Eine der bekanntesten Geschichten besagt, dass hier, angeblich initiiert von einem deutschen Investor, ein luxuriöses Hotel entstehen sollte – möglicherweise mit einem Golfplatz. Als dieser jedoch aufgrund der natürlichen Gegebenheiten damals nicht umgesetzt werden konnte, sei das Projekt aufgegeben worden. Und zurück blieb das, was heute eine der beeindruckendsten Ruinen der Insel ist.
Ob diese Version der Wahrheit entspricht oder nicht, lässt sich heute nicht mehr eindeutig sagen. Sie gehört jedoch zu den lokalen Überlieferungen, die diesen Ort bis heute prägen.

Zwischen Verfall und Streetart
Die dem Meer zugewandte Seite des Gebäudes ist stark beschädigt und teilweise eingestürzt. Geht man um die Ruine herum, zeigt sich jedoch eine völlig andere Seite: Das Geisterhotel hat sich zu einem Ort für Streetart entwickelt. Zahlreiche Graffitis bedecken die Wände – viele davon mit hoher künstlerischer Qualität und klaren Aussagen.




Die Zeit der „Occupantes“
Über einen längeren Zeitraum wurde die Ruine von sogenannten „Occupantes“ bewohnt. Spuren dieser Nutzung sind bis heute sichtbar – etwa nachträglich eingebaute Fenster in den oberen Etagen. Aufgrund der zunehmenden Einsturzgefahr wurde das Gebäude später geräumt und steht heute leer.
Ein Zaun umgibt das Gelände, weist jedoch zahlreiche Öffnungen auf. Man kann sich dem Gebäude nähern – das Betreten selbst ist jedoch gefährlich und sollte unbedingt vermieden werden.

Naturbecken als Anziehungspunkt
Die Naturbecken rund um das Geisterhotel gehören zu den eindrucksvollsten entlang dieser Küste. Viele Besucher kommen gezielt hierher – teils auch über unbefestigte Wege mit dem Auto.
Der Fußweg entlang der Küste bleibt jedoch die intensivere Erfahrung, dank stetigem Blick auf das Meer, wechselnde Perspektiven und langsamem Annähern an die imposante Ruine des „Geisterhotels“.

Weite Wege und Naturschutz
Wer möchte, kann von hier aus theoretisch weiter Richtung Norden entlang der Küste wandern – bis zu den Salinas de Janubio. Dieses Gebiet steht unter Naturschutz und ist Teil eines wichtigen Lebensraums für Vögel. Besonders im Winter lassen sich hier zahlreiche Zugvögel beobachten. Ganzjährig prägen große Möwenschwärme das Bild entlang der Küste.
Die Strecke ist allerdings lang und anspruchsvoll. Für die gesamte Strecke bis zu den Salinen sollte man – je nach Tempo – etwa 2,5 bis 3,5 Stunden Gehzeit einplanen (einfacher Weg).
Rückweg und Blick auf den Vulkan
Der Rückweg entlang derselben Strecke ist ebenfalls reizvoll. Der Montaña Roja, auch als Hausberg von Playa Blanca bekannt, rückt wieder in den Mittelpunkt. Mit seiner rötlichen Färbung und der markanten Form gehört er zu den prägendsten Landschaftselementen im Süden der Insel.
Als erloschener Vulkan erinnert er an die vulkanische Entstehung Lanzarotes und begleitet dich visuell über weite Teile des Weges.

Zudem sieht man in der Ferne die Stadt Playa Blanca. Im Vordergrund erhebt sich der hohe weiße Leuchtturm und dahinter breitet sich die mittlerweile recht große Stadt aus, die ursprünglich nur ein kleines Fischerdorf war.

Fazit
Auch wenn dieser Abschnitt keine ausgebaute Promenade und nicht offizieller Bestandteil der Uferpromenade Playa Blancas ist, gehört er zu den eindrucksvollsten Küstenwegen der Südküste.
Der Weg vom südlichen Montaña Roja bis zum Geisterhotel verbindet:
wilde Natur
faszinierende Ausblicke
lokale Geschichten
stille, ursprüngliche Landschaft

Ein Abschnitt für alle, die Lanzarote nicht nur sehen, sondern wirklich erleben wollen.




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